Denken Sie groß – Deichkind in Bamberg

0
74

Vor der Halle ist einiges los. Das Publikum ist bunt gemischt, alle Altersklassen sind vertreten. Ausverkauft ist die Show nicht, obwohl die Jungs schon seit fast 20 Jahren erfolgreich auf der Bühne stehen. Muss man mögen “So ne Musik“. Die Stimmung bei den Warteten ist gut. Vereinzelt sieht man die typische pyramidenförmige Kopfbedeckung (genannt Dreieckshut) und viele Besucher sind mit neonfarbenen Knicklichtern ausgestattet.

Der Abend beginnt ohne Vorband, was nicht weiter stört: Vor der Deichkind Show dröhnt laute tanzbare Musik aus den Boxen und hochauflösende spaßige Musikvideos laufen auf der riesigen Leinwand. Mit einem Song vom legendären David Bowie stoppen dann die Musikvideos, Naturspektakel erscheinen auf der Leinwand. Vulkane, Gletscher, Wüste. So geht es eine zeitlang. Dann folgen pixelige selbstgedrehte Deichkind Sequenzen. Die Leinwand wird schwarz, die Halle wird ruhig, die Spannung steigt: Die Band betritt die Bühne. Die menschliche Welle, auf die man sich durch Vorerfahrung gefasst macht, bleibt aus. Die Füße stehen noch am gleichen Platz, wie zuvor. Schade. Die ersten Lieder will die Stimmung auch noch nicht richtig aufkommen. Wo bleiben Schweiß, zerstörte Frisuren und heißere Stimmen? Das Konzert ist nicht ausverkauft, die Halle wirkt ein wenig leer. Liegt es womöglich an der Prüfungsphase der Studierenden? Oder an den Ticketpreisen?

Hört ihr die Signale?

Die Bühnenshow ist jedenfalls einmalig, aufwendig, großartig. Jedes Lied wird neu inszeniert und mit ausgefallener Dekoration und eigens angefertigten Bauwerken zelebriert. Die Besucher scheinen dies erst ab dem Hit „Bück dich hoch“ zu würdigen und die Stimmung wird ausgelassener. Zum Glück – hat es sich die Band doch redlich verdient.

Deichkind gibt sich fannah, verlässt auch häufiger die Bühne und spricht die Bamberger persönlich an. Das Publikum kommt in Fahrt: auf der Tribüne bei den Sitzplätzen hüpft ein Junge wild auf und ab. Vor der Bühne steht ein Mitzwanziger mit glitzerndem Vollbart, und in der letzten Reihe befindet sich eine Frau im Blümchen-Overall und feiert ausgelassen.

So richtig zu Kochen beginnt die Stimmung dann erst mit der Zugabe: Die Band haut locker nochmal 6 Lieder raus, Lieder, die gefeiert werden wollen und auch werden. Das Bamberger Publikum kann also doch! Zu Hymnen wie „Luftbahn“, „Prost“, „Hört ihr die Signale“ und schlussendlich „Remmidemmi“ eskaliert die Halle. Neonfarben, Luftschlangen, Heliumballons, ein riesiges Fass, ein Schlauchboot, auf dem sich die Musiker durch die Menge rudern lassen (crowdsurfen), Kostümierungen und Akrobatik – das ist Deichkind!

Glücklich und doch noch schweißgebadet verlassen die Besucher die Halle und verschwinden in die regnerische Nacht. Ab und zu sieht man noch in der Ferne vereinzelt Neonlichter …